Tafel zum "Sozialistischen Wettbewerb" mit Qualitätsnoten, Prozentziffern zur Normerfüllung und Zahlen zum Arbeitszeitfond, Februar 1989 im Ostberliner VEB Elektroprojekt und Anlagenbau Berlin (EAB) ©Peter Zimmermann / dpa
Anzeigetafel für den sozialistischen Wettbewerb in einem volkseigenen Betrieb
1961-1974
Ost: Hinter dem Eisernen Vorhang

FDGB wächst und wächst

93,6 % sind in der Gewerkschaft

Die Zahl der FDGB-Mitglieder steigt weiter an. 1963 zählt der FDGB 6,4 Millionen Mitglieder (davon 2,85 Millionen Frauen), 1968 sind es 6,8 Millionen (davon 3,1 Millionen Frauen) und im Jahr 1972 7,3 Millionen (davon 3,58 Millionen Frauen).

Von den 1962 erfassten fast sechs Millionen Beschäftigten sind 93,6 Prozent gewerkschaftlich organisiert. 1,6 Millionen Mitglieder nehmen ein ehrenamtliches Amt wahr (1963). Auch wenn diese Zahl nicht als Ausdruck eines ausgeprägten demokratischen innergewerkschaftlichen Lebens missverstanden werden darf, so deutet sie doch auf die hohe Bereitschaft hin, sich an der Gewerkschaftsarbeit aktiv zu beteiligen.

Beachtlich ist auch die Zahl der Vorstandmitglieder an der Spitze des FDGB: Auf dem 6. FDGB-Kongress im November 1963 wird der Bundesvorstand von 199 auf 233 Mitglieder vergrößert. Das Sekretariat, das die politischen Entscheidungen vorbereitet, wird von neun auf sechs Mitglieder verkleinert. Alle Mitglieder des Sekretariats haben ein SED-Parteibuch.

Auf dem 7. FDGB-Kongress im Mai 1968 wird mit Johanna Töpfer erstmals eine Frau zur Stellvertretenden FDGB-Vorsitzenden gewählt. Von den 1.980 Delegierten sind 948 Frauen, also 47,9 Prozent.

FDGB unter neuer Führung

Eine personelle, nicht aber politische Zäsur in der Geschichte des FDGB ist der Tod von Herbert Warnke. Von 1948 bis zu seinem Tod am 26. März 1975 steht er an der Spitze des FDGB. Sein Nachfolger wird am 28. April 1975 Harry Tisch. Er kommt nicht aus dem FDGB-Apparat, sondern hat eine SED-Karriere absolviert. Das zeigt einmal mehr, wie sehr SED und FDGB verschmolzen sind. Die Berufung von Harry Tisch und Johanna Töpfer in den Staatsrat der DDR, ist angesichts dieser Nähe fast schon die logische Konsequenz. 1975, zu seinem 30. Geburtstag, erhält der FDGB zum zweiten Mal in seiner Geschichte den Karl-Marx-Orden. Erich Honecker höchstpersönlich überreicht den Orden.

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1961 - 1974 

FDGB nach dem Mauerbau: Die SED weist den "richtigen" Weg
Kontakte in den Westen:  FDGB unterstützt die SED-Außenpolitik
93,6 Prozent sind in der Gewerkschaft:  Zahl der Mitglieder steigt weiter

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Quellen- und Literaturhinweise

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Dowe, Dieter u. Michael Kubina (Hrsg.), FDGB-Lexikon. Funktion, Struktur, Kader und Entwicklung einer Massenorganisation der SED (1945-1990), Berlin 2009

Engler, Wolfgang, Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Berlin 1999

Gill, Ulrich, FDGB. Die DDR-Gewerkschaft von 1945 bis zu ihrer Auflösung 1990, Köln 1991

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Hübner, Peter u. Klaus Tenfelde (Hrsg.), Arbeiter in der SBZ-DDR, Essen 1999

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Hübner, Peter, Christoph Kleßmann u. Klaus Tenfelde (Hrsg.), Arbeiter im Staatssozialismus. Ideologischer Anspruch und soziale Wirklichkeit, Köln 2005

Kleßmann, Christoph, Arbeiter im „Arbeiterstaat“ DDR. Deutsche Traditionen, sowjetisches Modell, westdeutsches Magnetfeld (1945 bis 1971) (= Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, Bd. 14), Bonn 2007

Link, Franz Josef, Lohnpolitik in Ostdeutschland aus ökonomischer und sozialer Perspektive, Köln 1993

Steiner, André, Die DDR-Wirtschaftsreform der sechziger Jahre, Berlin 1999

Das Emblem des FDGB

Unter neuer Führung: Nach dem Tode von Herbert Warnke wird Harry Tisch im April 1975 zum Vorsitzenden des FDGB gewählt.

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